SPÖ setzt auf ihre Nummer eins
Wahlkampfstart der SPÖ in Graz, 5000 feierten mit ihrem Chef Franz Voves. Er wird zum "Local Hero" hochstilisiert, die anderen Parteien kommen gar nicht vor.

Foto © AP
Der Unterschied zum Wahlkampfauftakt der ÖVP am Vortag könnte kaum größer sein. Während die ÖVP den gemeinsamen Kampf mit Hermann Schützenhöfer um den ersten Platz in Szene setzte, machte die SPÖ das Gegenteil: Sie inszenierte ausschließlich ihre Nummer eins, Franz Voves, Landeshauptmann, Local Hero.
Die gesamte Wahlkundgebung war so ausgerichtet: Rund 5000 SPÖ-Anhänger waren aus dem ganzen Land zur Grazer Messehalle gekarrt worden, auch zahlenmäßig klar die Nummer eins war die Botschaft. Das Frühstück in der Vorhalle musste verlängert werden, Stargast Kanzler Werner Faymann steckte noch im Stau.
Als erste Einpeitscherin stand dann die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller auf der riesigen Bühne. Sie sprach Voves, aber auch jenen im Saal, denen die roten Reformen der letzten Periode zu wenig waren, Mut zu: "In fünf Jahren kann man die Welt nicht völlig verändern", dazu benötige es eine zweite Periode mit Voves an der Spitze - Jubel. Und, so Burgstaller weiter, Voves spreche auch die richtigen Themen an, "wir brauchen eine Besteuerung des Vermögens, das ist eine Frage der Gerechtigkeit". Wieder Jubel. Als Symbol, dass alles seine Zeit brauche, schenkte sie Voves zum Schluss einen kleinen Apfelbaum.
Trachten und 3D-Film
Gerade als langsam so etwas wie Stimmung in den Saal kam, griff die Regie brutal ein - es folgte eine Trachten-Modenschau, die die Zuseher ratlos ließ. Erklärbar ist sie nur als Überkompensation für die - zum Teil absichtlich - missverstandenen Äußerungen von Voves über die steirische Tracht. Danach folgte ein Film in 3D, alle im Saal setzten ihre weißen Brillen auf. Die Hauptfigur im technisch gut gemachten Filmchen war Franz Voves - vom Arbeiterkind zum Eishockeyspieler bis zum Landeshauptmann, eben ein Local Hero. Eine zündende Idee wäre hilfreich gewesen, so blieb es eine mittelfade technische Spielerei.
Als deshalb viele im Publikum unruhig wurden, betrat Bundeskanzler Faymann die Bühne. Auch er stellte den Kampf für mehr Steuergerechtigkeit, sprich Reichensteuer, in den Mittelpunkt, Voves habe damit genau das richtige Thema angesprochen. Differenzen innerhalb der SPÖ versuchte er zu überspielen, indem er den politischen Gegner ansprach: "Immer dann, wenn wir mit besonders miesen Mitteln angesprochen werden, stehen wir Sozialdemokraten zusammen." Trotziger Jubel.
Die "wahren Sozialschmarotzer
Der nächste Regieeinfall aber wirkte: Die "Jungen Paldauer" heizten dem Publikum so richtig ein, nach dem STS-Song "Steiermark" kam der vielumjubelte Mister Steiermark auf die Bühne: Franz Voves, blaues Sakko, Jeans, weiß-blau gestreiftes Hemd, keine Krawatte - ich bin einer von euch. Binnen Minuten hatte er das Publikum in der Hand. Äußerst routiniert variierte er seine Themen, vom dank SPÖ erfolgreichen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit über Investitionen des Bundes in die steirische Infrastruktur bis zur neuen Mittelschule wurde alles angesprochen. Wie zu erwarten den stärksten Applaus gab es für die Benennung der "wahren Sozialschmarotzer: Investmentbanker, Spekulanten, Vorstände multinationaler Konzerne". Diese müssten "zur Kasse gebeten werden", es dürfe keine neuen Massensteuern geben, forderte Voves unter dem Jubel seiner Fans.
"Wir sind fit, dieses Land weitere fünf Jahre zu führen", donnerte Voves nach 50 kurzweiligen Minuten in den Saal. Als Beweis für seine These machte er sich danach im Laufschritt auf quer durch die Halle, wo seine Anhänger minutenlang mitklatschten. Begeisterung für ihren Hero Franz war zu spüren, echte Kampfesstimmung aber kaum.






















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