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Zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 um 20:01 UhrKommentare

Fußball ist kein Geschäft für Frank Stronach

Frank Stronach half Sturm mit einer Million Euro. "Illegalitäten" hätte er aber nie gefördert. Laut Staatsanwalt wurde der Magna-Chef betrogen, dieser fühlt sich aber nicht geschädigt. Heute wird der Prozess mit Plädoyers fortgesetzt.

Frank Stronach

Foto © APA I LeodolterFrank Stronach

Eines zieht sich wie ein roter Faden durch den Sturm-Prozess: Es geht oft lustig zu.

"Wer ist die Dame mit den Blumen?", fragt Richter Karl Buchgraber. "Das Blumenmädchen!", erklärt eine ältere Dame und hält ihren Blumenstrauß hoch. "Für den Herrn Kartnig zum Freispruch. Sonst geb' ich die Staatsbürgerschaft zruck, ob es euch passt oder net!" - "Das ist ein bisschen zu früh", erklärt ihr der Richter. - "Das hab' ich nicht inszeniert!", schwört Kartnig.

Still wird es, als der lang erwartete "Zeuge Frank Stronach" in den Saal gerufen wird. Der Ex-Magna-Chef weiß einen Augenblick nicht, wo er hin muss, und will schon auf der Anklagebank Platz nehmen. Da wird wieder gekichert. Lustig samma . . .

"Dieser Platz ist für die Angeklagten reserviert", klärt ihn der Richter auf - "Gut zu wissen", sagt Frank Stronach, Alter: 79, Beruf: "Werkzeugmacher."

Kein Geschäft

"Fußball ist kein Geschäft", sagt er. Der Richter will wissen, ob die Million, die er Sturm im sogenannten SMI-Vertrag im Jänner 2004 überließ, ein Geschenk war oder ein Darlehen. "Ich habe versucht, dass Sturm vielleicht nicht in Konkurs geht", erklärt er die Zahlung, die übrigens aus dem Magna-Sozialbudget kam. "Das war mein Hauptmotiv."

Wenn "ein Wunder" passiert wäre - etwa wenn Sturm in die Champions League gekommen wäre - , hätte man geschaut, dass man das Geld zurückbekommt. Im Sturm-Konkurs floss nur ein Teil des Geldes zurück, aber Stronach fühlt sich dennoch "nicht geschädigt".

"Hätte es eine Rolle gespielt, wenn Sie gewusst hätten, dass Sturm jahrelang Lohnabgaben hinterzogen hat?", fragt Staatsanwalt Johannes Winklhofer. - "Bei Steuerhinterziehung würde ich nie dabei sein", antwortet Stronach. "Ich würde nie fördern, wenn es Illegalitäten gibt. Nein. Nein. Nein."

Das Darlehen sei auch nicht an Kartnig persönlich gebunden gewesen, der von seinem Trauzeugen gern als seinem "guten Freund Frank" spricht. Auf die Frage des Richters, ob er mit Kartnig befreundet sei, antwortet Stronach: "Einigermaßen."

Die Verteidiger von Kartnig versuchen herauszuarbeiten, dass der SMI-Vertrag formal noch immer aufrecht ist. Damit wäre (noch) gar kein Schaden eingetreten. Ob es nun ein Geschenk, ein Darlehen oder eine "Gelegenheitsgesellschaft" war, ist auch nach der Einvernahme der SMI-Manager, darunter Andreas Rudas, nicht klarer.

Der Staatsanwalt dagegen sieht eine Betrugsabsicht, weil Stronach nicht über die Zahlungsunfähigkeit von Sturm und die Steuerhinterziehung informiert war. "Bemühen Sie sich, den Vorsatz wegzubringen", rät er den Anwälten zum Strategiewechsel. "Das wäre besser. Wirklich."

"Wir waren net zahlungsunfähig", knurrt Kartnig. - "Warum sind Sie dann in Konkurs gegangen?" - "Ich bin kein Betrüger. Immer tut er mich beschuldigen!", schimpft Kartnig lauthals und zeigt zunehmend Nerven.

Mehr noch: Der Staatsanwalt dehnt die Anklage formell um den Vorwurf des schweren Betruges zum Schaden der SMI aus. Zwei Vorstände seien Beitragstäter, weil sie den Vertrag mitunterschrieben haben.

Die Folge ist eine ganze Flut von Anträgen der Verteidiger: Weitere Zeugen sollen einvernommen, das Verfahren gegen einige Angeklagte ausgeschieden, ein Privatgutachten eingebracht werden . . . Gutachter Fritz Kleiner sieht keinen Grund, sein Gutachten zu ändern. Der Schöffensenat lehnt nach fast einstündiger Beratung alle Anträge mit Ausnahme der Verlesung bestimmter Schriftstücke ab.

Dem Staatsanwalt wird "die selbstständige Verfolgung" des neuen Betrugsvorwurfes vorbehalten. Darüber wird also nicht in diesem Prozess entschieden. Das Verfahren ist im Finale. Man geht sich gegenseitig gehörig auf die Nerven. Der Zeitplan könnte halten: Urteil am Donnerstag, außer die Verteidiger wollen, dass der gesamte Gerichtsakt, Tausende Seiten, wörtlich verlesen wird . . .


Zitiert

"Für mich war das Wichtigste, dass Sturm nicht in Konkurs geht."
Frank Stronach, Mäzen

"Mit Hoffnungen kann man keine Gläubiger bezahlen."
Fritz Kleiner, Gerichtsgutachter

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