Ein Leben für den Kampf gegen Krebs
Erstmals wird die steirische Krebshilfe von zwei Frauen geleitet: Die Medizinerinnen Erika Richtig und Karin Kapp ziehen Bilanz.

Foto © EderIm Dienst der guten Sache: Krebshilfe-Präsidentin Erika Richtig (links) und Vizepräsidentin Karin Knapp
In der 100-jährigen Geschichte der Krebshilfe gab's das noch nie: Mit den Medizinerinnen Erika Richtig als Präsidentin und Karin Kapp als ihre Stellvertreterin stehen erstmals zwei Frauen an der Spitze der steirischen Organisation. "Wir sind halt eine rare Spezies", schmunzelt Kapp. Gibt es Unterschiede in der Führung? "Wir sind nicht harmoniebedürftiger. Frauen haben vielleicht manchmal die Gabe, Dinge, die ein bissl ins Stocken geraten sind, wieder in Fahrt zu bringen. Auch Männer können das, ich sage nichts Negatives gegen die Herren der Schöpfung. Aber die Frauen können - wenn's richtig schiefläuft - vieles trotzdem wieder ins Reine bringen."
Tausenden geholfen
Die Krebshilfe Steiermark hat bisher Tausenden Steirerinnen und Steirern geholfen. Die Betreuungsleistung ist kostenlos, wohlgemerkt. Die mit dem "Spendegütesiegel" ausgestattete Organisation, die zuletzt auch Subventionskürzungen von der öffentlichen Hand hinnehmen musste, ist ein gemeinnütziger Verein. Finanziert ausschließlich über Spenden privater Haushalte, Unternehmen oder verschiedener Aktionen. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich.
Die Bandbreite der Hilfestellungen ist enorm, denn: "Hinter der ersten, medizinischen Behandlung kommt oft eine noch schwierigere Zeit, weil sich viele Patienten erst dann mit den Folgen auseinandersetzen können", so Kapp. Die Krebshilfe bietet Ernährungsberatung genauso an wie psychologische Betreuung oder soziale Dienste. Sogar mobile Betreuung gibt es, um Betroffenen und Angehörigen vor Ort zu helfen. Richtig: "Die Menschen kommen auch mit existenziellen Fragen zu uns. Und man kann es gar nicht oft genug betonen: Es ist kein Zeichen der Schwäche, wenn man in einer schweren Lebenskrise Hilfe annimmt. Diese Bedenken müssen wir den Menschen nehmen."
Natürlich gibt es Unterschiede in der Akzeptanz, Hilfe zuzulassen. "Frauen wollen Hilfe holen, Männer zögern manchmal zu lange. Wir sehen das, aber wir werten es nicht, wenn wir sie unterstützen", berichten beide.
Kapp betont auch: "Was wir hier machen, ist mehr als die Behandlung der Krankheit. Wir kümmern uns genauso darum, wenn bei Kindern in Folge einer Krebserkrankung der Eltern Schulprobleme auftreten. Oder wie kann man Krebskranke wieder am Arbeitsplatz eingliedern? Wie kann man Betroffene und Kollegen unterstützen?"
Richtig kämpft auch unermüdlich gegen die Tabuisierung von Krebs. "Patienten erzählen es manchmal nicht einmal zu Hause und nehmen sich für die Behandlung frei, damit keiner im Job etwas davon merkt." Dass sie sich so stark auch außerhalb des Spitals engagiert, hat gute Gründe. "Als ich in der Hautkrebsbehandlung begann, war zum Beispiel der Begriff Melanom nicht einmal wirklich bekannt. Genauso wenig das Thema Vorsorge. Ich wollte einfach nicht mehr, dass wir Patienten sagen müssen: Sie hätten schon viel früher kommen müssen, da können wir wenig machen."
Features
FAKTEN
Erika Richtig ist Präsidentin und Präsidiumsmitglied der steirischen Krebshilfe . Sie arbeitet an der Dermatologie (Hautklinik) der Universitäts- klinik in Graz.
Karin S. Kapp leitet die Abteilung für Strahlentherapie- Radioonkologie an der Universitätsklinik Graz.















