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Zuletzt aktualisiert: 30.01.2012 um 11:16 UhrKommentare

Kranebitter: "Fenster für Verkauf geht ab Mitte 2012 auf"

Die Staatsbank schließt 2011 mit einem geringeren operativen Verlust ab, ein Bilanzgewinn ist möglich. Der Sparkurs fordert 800 Jobs. Hypo-Chef Gottwald Kranebitter will Extraregeln für Eigenkapital der "Abbaubank".

Hypo-Chef Gottwald Kranebitter

Foto © KLZ/TraussnigHypo-Chef Gottwald Kranebitter

Ist das Büro schon bereitet für Bawag-Staatsanwalt Georg Krakow als möglichen Aufpasser, den Finanzministerin Maria Fekter zur Kärntner Hypo schickt?

GOTTWALD KRANEBITTER: Ich begrüße, dass es ein Bindeglied zwischen Banksanierung und Vergangenheitsaufarbeitung geben wird. Wir haben 1000 Fälle aufgegriffen. Drei Viertel davon sind abgearbeitet oder weit fortgeschritten. Über Namen des Sonderbeauftragten spekuliere ich nicht. Ich erwarte jemanden, der sagen kann, welche Fälle vor Gericht Chancen haben.

Akut brauchen Sie vor allem Kapital – mindestens 500 Millionen Euro in der von März bis Ende 2012 erstreckten Frist. Vom Staat?

KRANEBITTER: Das erste Ziel, für die Kapitalanforderung mehr Zeit zu bekommen, ist erreicht. Die Richtung stimmt: die Hypo verkleinern, Risiko reduzieren, und Konzentration auf die guten Teile der Bank, um unseren Beitrag zum Kapitalerfordernis selbst zu leisten. Ende 2012 wird die Rechnung final gemacht.

Bleibt die Bankenaufsicht dabei, von Ihnen statt zehn 12 Prozent regulatorische Eigenmittel zu fordern, muss der Staat neues Geld geben – oder sind Sie auf Ergebniskurs mit einem Plus für 2011?

KRANEBITTER: 2011 war für alle Banken schwierig. Wir haben aber Abwertungen schon 2010 vorgenommen und kaum Staatspapiere. Die Ungarnkrise trifft uns weniger als andere. Wir werden beim operativen Ergebnis 2011 keinen substanziellen Verlust machen. Das Bilanzergebnis geben wir im März bekannt.

Wenn die Bank operativ noch im Minus ist, wollen Sie das Jahresergebnis 2011 dann mit Aufwertungen von früher abgewerteten Risiken bilanziell ins Plus drehen?

KRANEBITTER: Wir bilanzieren sorgfältig. Was das Eigenkapital betrifft, so lagen wir Ende 2010 bei einer Gesamtkapitalquote von über 10 Prozent und 6,6 Prozent Tier1-Quote. Die negativen Ratings von Italien und Slowenien kosten Eigenkapital. Wir werden uns trotzdem gut halten.

Anders gesagt wird´s für das Eigenkapital eng. Muss der Staat die halbe Milliarde Euro setzen?

KRANEBITTER: Wir tun alles, um den Steuerzahler nicht weiter zu belasten und die Vorgaben aus eigener Kraft zu schaffen. Es ist aber grundsätzlich die Frage, ob eine Staatsbank, die privatisiert beziehungsweise abgebaut wird, mehr als zehn Prozent Gesamtkapitalquote braucht.

Eigene Kapitalregeln für die Hypo Alpe Adria? Warum lässt sich die Bank von Ratingagenturen nicht mehr bewerten?

KRANEBITTER: Ganz einfach. Bei unseren landesbehafteten Emissionen hängt das Rating vom Land ab. Da wir keine Eigenemissionen benötigen, ist das Rating eine teure Fleißaufgabe.

Vielleicht, weil es die Bank in fünf Jahren nicht mehr gibt?

KRANEBITTER: Zumindest nicht in Staatsbesitz, das ist EU Vorgabe. Derzeit haben wir drei Säulen mit gutem Bankgeschäft – Österreich, Italien und Südosteuropa. Das ist zukunftsfähig – daneben gibt es einen Abbauteil.

...der quasi eine Bad Bank ist.

KRANEBITTER: Es gibt keine Bad Bank. Es gibt die zukunftsfähigen Teile und den Abbauteil, und wir haben Kapazität und Expertise aufgebaut, um das selbst abzuwickeln. Auch im Abbauteil ist zum Teil normales Geschäft, das wir verkaufsfertig machen.

Entscheidend ist, ob Sie die Hypo Österreich und Hypo Italien an den Mann bringen. Auch für die Hypo Südosteuropa hat Aufsichtsratsvorsitzender Johannes Ditz die Vorgabe gemacht, dass Mitte 2012 der Verkaufsprozess beginnt.

KRANEBITTER: Die Aufgabe für 2012 ist es, Italien, Österreich und Südosteuropa nachhaltig profitabel zu machen. Ich habe immer gesagt: 2010 analysieren und aufräumen, 2011 auf Schiene bringen, 2012 Lebensfähigkeit beweisen. Wenn das gelingt, ist der genaue Verkaufszeitpunkt nicht wichtig.

Wie finden Sie bei der derzeitigen Kapitalknappheit der Banken in der Eurokrise einen Käufer?

KRANEBITTER: Wir rechnen damit, dass sich der Markt bis Jahresmitte 2012 langsam normalisiert. Wenn die Systembanken die Neun-Prozent-Kernkapitalquote erfüllen, haben wir eine neue Situation. Die Hypo Österreich und die Hypo Italien haben ihre Hausübungen gemacht. Wenn das Fenster aufgeht, sind wir bereit.

UniCredit, Raiffeisen und Erste fallen derzeit als Käufer aus?

KRANEBITTER: Der verordnete Kapital- und Liquiditätsbedarf ist keinen Hilfe. Ab Jahresmitte wer die Karten neu gemischt.

Zwar nicht Chinesen, so aber doch Russen sollen angeklopft haben. Oleg Deripaskas Sperbank ist mit ihrer Verbindung zu Magna und Strabag doch ein spannender Interessent für die Hypo?

KRANEBITTER: Das ist zweifellos ein interessanter Name. Wir reden mit allen, die Interesse anmelden und belastbare Investoren sind. Als Staatsbank führen wir transparente Verkaufsverfahren.

Wie dringend ist der Bankverkauf? Bis Ende 2013 müssen Sie der BayernLB drei Milliarden zahlen.

KRANEBITTER: Es gibt eine EU-Frist, die voraussichtlich bis 2014 läuft. Der Commerzbank hat die EU aber mehr Zeit eingeräumt.

Aber müssen Sie eventuell wegen der Bayern-Milliarden bei Maria Fekter vorstellig werden?

KRANEBITTER: Positiv sehe ich, dass wir 2011 nicht um neues Staatsgeld anfragen mussten. Bei der BayernLB hat die Hypo normale Refinanzierungslinien. Wir sind vorbereitet, termingerecht zurückzuzahlen.

Hat man da bei der Verstaatlichung schlecht verhandelt?

KRANEBITTER: Die Verstaatlichung hat eine Megainsolvenz verhindert. Die BayernLB hat Liquiditätslinien in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt. Was wir davon in Anspruch genommen haben, wird rueckgefuehrt.

Können Sie sich vorstellen, dass jemand die Hypo kauft und der Republik verspricht, die nötige Liquidität später noch abzuzahlen?

KRANEBITTER: Das ist spekulativ. Jeder Verkauf ist ein Wechselspiel zwischen Kaufpreis und Refinanzierung.

Ihnen fielen die drei Milliarden nicht auf? Sie waren vor der Verstaatlichung Berater in der Hypo.

KRANEBITTER: Ich bin kurz vor der Notverstaatlichung für eine Kapitalbedarfseinschätzung geholt worden. Aus dem Blickwinkel der drohenden Insolvenz hat das Finanzministerium verantwortungsvoll gehandelt.

Tilo Berlin greift Sie an, sie hätten auch Berlin & Co beraten.

KRANEBITTER: Jemand, der viel Geld mit dem Verkauf verdient hat, sollte nicht versuchen, in die Opferrolle zu schlüpfen.

In der Aufarbeitung des Hypo-Skandals kommt es Ende März zum Prozess um Vorzugsaktien.

KRANEBITTER: Ich gehe davon aus, dass die Causa die Justiz länger beschäftigt. Meine Aufgabe war, nach jahrzehntelangen Versäumnissen die Causa in vollem Umfang anzuzeigen.

Wie finden Sie die CSI-Bilanz bei Anzeigen gegen 77 Personen und 650 Millionen Schadensklagen und bisher mageren Ergebnissen bei Gericht. Wo ist da für Sie die Leistung der Kanzlei Held?

KRANEBITTER: Die Hypo ist einer der größten Rechtsfälle Österreichs. Vier Staatsanwälte müssen über Grenzen hinweg arbeiten. In Bayern kommen auf einen Fall sieben Staatsanwälte.

Große Fälle macht eine Kanzlei, in der ihr Bruder Anwalt ist. Das brachte Ihnen Kritik ein.

KRANEBITTER: Die Auswahl trifft nicht der CEO, sondern erfolgt nach Richtlinien, um die beste Kanzlei zu beauftragen. Mein Bruder arbeitet nicht an den Fällen und ist an an den Hypo Causen auch wirtschaftlich nicht beteiligt.

Wie legen Sie heuer den Sparkurs an – auch für die Berater?

KRANEBITTER: Wir haben ein Paket von 100 Millionen Euro, 30 Prozent Ertragssteigerung, 70 Prozent Kosteneinsparungen, das trifft vor allem auch Berater.

Wie viele Mitarbeiter trifft es?

KRANEBITTER: Etwa zehn Prozent von gesamt 8000 Mitarbeitern. In Österreich, wo wir 1000 Mitarbeiter haben, reden wir von knapp 50. Das Programm wird 2012 abgeschlossen.

Macht die Hypo bei aller Risikoreduktion noch Neugeschäft?

KRANEBITTER: Wir haben in Südosteuropa 2011 netto 30.000 neue Kunden dazu bekommen und sind in Kroatien von Platz 5 auf 4 aufgestiegen. Wir verbessern uns in der Region weiter. In Bosnien-Herzegowina haben wir den Vorstand mit Alexander Picker verstärkt und in Montenegro einen serbischen Senior Banker in den Vorstand geholt.

Ihr Gehalt hat Landeshauptmann Dörfler kritisiert, weil es weit über dem des Kanzlers liegt.

KRANEBITTER: Ich wäre dafür, dass wir Politiker so viel bezahlen, dass der Job für die besten Leute attraktiv ist.

Fließt heuer ein Bonus?

KRANEBITTER: Es gibt keinen Bonus für den Vorstand. Abrechnet wird zum Schluss.

ADOLF WINKLER, THOMAS CIK

Zur Person

Gottwald Kranebitter (47) stammt aus Telfs in Tirol. Studium der Betriebsinformatik an der TU Wien.

Seit 1986 Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Zuletzt Geschäftsführer der KPMG Österreich.

Seit 1. April 2010 Vorstandsvorsitzender der notverstaatlichten Hypo Alpe-Adria-Bank.

Sein Vertrag läuft noch bis 2013. Darüber, was danach kommt, lässt Kranebitter keine Spekulationen zu.

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Serie "Die Akte Hypo"

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Grafik: 1. Halbjahr 2010 & Entwicklung der HGAA

Quelle: APA
 


Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

Grafik: Konzernstruktur

Quelle: APA
 

Grafik: Kärntens Finanzen

Quelle: APA
 


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