"Ich werde das Schiff nicht verlassen"
Frank Stronach hat die Vision vom Elektroauto, denkt über den steirischen Fußball nach und sagt, wen er zum Landeshauptmann wählen würde.

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Jahrzehntelang haben Sie Magna mehr oder weniger uneingeschränkt regiert. Haben Sie sich schon daran gewöhnt, jetzt nicht mehr das letzte Wort zu haben?
FRANK STRONACH: Ja, auch wenn es schon ein komisches Gefühl ist. Aber ich kann Magna ja nicht aus dem Grab heraus führen. Doch ich werde das Schiff nicht verlassen. Und ich gehe davon aus, dass man bei Magna auch in Zukunft sehr stark auf mich hören wird. Ich bin schließlich weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender, Berater und zudem größter Einzelaktionär. Die Aktionäre würden wohl in die Hosen machen, wenn ich mich verabschieden würde.
Warum ist nicht Ihre Tochter Belinda an Ihre Stelle getreten?
STRONACH: Wir haben sehr lange darüber diskutiert und dann diesen Beschluss gemeinsam getroffen. Es ist eine richtige Entscheidung. Die Firma hat ein starkes Management, keine Schulden und zwei Milliarden Dollar Cash auf der Bank. Die Firma hat jetzt eine gute Kultur und ein starkes Fundament, es würde schwerfallen, daran zu rütteln.
Der kanadische Vorstandschef Don Walker hat kürzlich in einer Analysten-Konferenz Restrukturierungsschritte für Europa angekündigt. Was ist da zu erwarten?
STRONACH: Wir haben in Europa viel Geld für den Erhalt von Arbeitsplätzen ausgegeben und vielleicht nicht schnell genug auf die Krise reagiert. Es stimmt, dass wir in Europa sehr viele Unkosten haben, und da müssen wir jetzt schon ein bisschen durchforsten. Wobei wir dieses Problem nicht auf der Arbeiterebene, sondern eher in den Büros haben. Wir haben wohl zu viel Verwaltung aufgebaut.
Für so manche österreichische Magna-Mitarbeiter sind Sie so etwas wie ein Schutzpatron. Müssen die sich jetzt Sorgen machen?
STRONACH: Nein, es gibt keine Anzeichen dafür. Und ich werde weiterhin ein waches Auge auf die Mitarbeiter haben, und mein Einfluss wird auch künftig nicht gering sein.
Es verdichten sich die Hinweise, wonach Siegfried Wolf Magna in absehbarer Zeit Richtung Russland verlassen könnte. Was ist an diesem Gerücht dran?
STRONACH: Ich bin mit Siegfried sehr eng befreundet, wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit. Aber natürlich hat er mir gesagt: Frank, wenn du nicht mehr die absolute Kontrolle hast, dann muss ich darüber nachdenken. Ich habe mit meinem Team schon darüber gesprochen, dass wir Ersatz haben, wenn Siegfried gehen würde. Eine starke Firma muss jede Position ersetzen können.
Es gibt auch das Gerücht, dass die Russen erneut bei Magna einsteigen könnten. Stimmt das?
STRONACH: Russland ist ein großer Markt, wir würden gerne zusammenarbeiten. Es könnte gut für Russland und für Magna sein.
Ihr neues Engagement gehört der Zukunftstechnologie, dem Elektroauto. Wo steht Magna da im Wettbewerb?
STRONACH: Ja, da ich nicht an Pension denke und ich meine geistige Höhe noch nicht erreicht habe, will ich Magna mit dem Elektroauto ganz nach vorne bringen. Ich glaube, wir haben da eine ganz große Chance, weil wir alle Komponenten entwickeln und ganze Autos verstehen. Wir gehören da sicher schon zu den fünf besten der Welt. Wir konzentrieren uns auf Nordamerika und Europa und bieten unsere Kompetenz und unsere Systeme allen Herstellern an. Keinesfalls aber wollen wir mit unseren Kunden in Konkurrenz treten.
Der Einstieg in die Elektromobilität ist mit hohen Kosten verbunden. Wann wird Magna damit Geld verdienen können?
STRONACH: Es wird alles schneller gehen, weil auch das Öl schneller zu Ende geht, als alle glauben. Aber natürlich muss zunächst viel investiert werden, da wird es anfangs auch Verluste geben. Aber das Elektroauto ist die Zukunft, überhaupt keine Frage.
Themenwechsel. Sie sind ein politischer Kopf und kritischer Beobachter und wollten in Kanada auch einmal selbst in die Politik einsteigen. Die Steiermark wählt am 26. September. Wie ist Ihre Einschätzung?
STRONACH: Also: Ich gehöre keiner Partei an und bin auch von niemandem abhängig. Aber ich bin kein Zaunsitzer und erlaube mir, mich konstruktiv von außen zu äußern - vor allem zu Themen der Wirtschaft. Weil ich in Oberwaltersdorf gemeldet bin, kann ich nicht in der Steiermark wählen. Aber ich als Steirer und steirischer Wirtschaftsmann würde Franz Voves wählen.
Wie argumentieren Sie das Bekenntnis?
STRONACH: Voves war schon in der Wirtschaft tätig, er versteht sie. Wir haben mit ihm eine sehr gute Zusammenarbeit gehabt, als es eine schwierige Situation gab und es um Arbeitsplätze ging. Und er sagt, was man sagen muss, er traut sich was zu sagen, er hat die Probleme mit der Finanzwirtschaft deutlich ausgesprochen.
Bedauern Sie es rückblickend, in der Politik selbst nicht Fuß gefasst zu haben?
STRONACH: Ich kann von mir behaupten, es wenigstens versucht zu haben. Ich habe diesbezüglich meinen Seelenfrieden gefunden.
Zuletzt, Fußball...
STRONACH: Ich habe angedeutet, dass ich mich bei Wr. Neustadt zurückziehen werde. Ich bleibe nicht, wenn man mich nicht will. Aber ich werde alle Verträge erfüllen und weiter die dortige Jugend unterstützen. Jetzt schalte ich einmal eine Pause ein. Aber es könnte sein, dass ich vielleicht künftig eine steirische Mannschaft unterstütze. Wir sollten uns dort engagieren, wo die meisten unserer Arbeiter sind.
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Stronach spricht eine Wahlempfehlung für Franz Voves ausFoto © Scheriau















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