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Zuletzt aktualisiert: 09.01.2012 um 08:45 UhrKommentare

Ahmadinejad sucht Trost bei sozialistischen Brüdern

Sobald der Iran vom Westen isoliert wird, sucht er den Schulterschluss mit seinen angeblichen Verbündeten. Ahmadinejad will zeigen, dass er Freunde hat - in Venezuela, Nicaragua, Kuba und Ecuador, dem Hinterhof des Erzfeindes. US-Agent im Iran indes zum Tode verurteilt.

Ahmadinejad beim Staatsbesuch in Venezuela: Breite Schultern demonstrieren

Foto © APAhmadinejad beim Staatsbesuch in Venezuela: Breite Schultern demonstrieren

Neben einigen blockfreien Staaten nennt der Gottesstaat vor allem sozialistische Staaten in Lateinamerika seine Brüder.

Mit seiner Reise nach Venezuela, Nicaragua, Kuba und Ecuador will Präsident Mahmoud Ahmadinejad nun zeigen, dass er auch in der Not Verbündete hat, die - laut Außenminister Ali-Akbar Salehi - die "feindlichen Maßnahmen des Westens" nicht befürworten. "Die Lateinamerikaner sind immer dazu gut, Ahmadinejad warm willkommen zu heißen und Trost zu spenden, wenn der Rest der Welt, wie jetzt, gegen den Iran ist", sagt ein Politologe in Teheran.

Tatsächlich steckt der Iran derzeit in einer kritischen Lage. Diesmal drohen Sanktionen, die auf seine wirtschaftliche Existenz zielen: gegen Zentralbank und Ölexport. Daran könnten sich nicht nur der Westen, sondern auch Hauptkunden wie China, Indien, Japan und Korea beteiligen. "Das würde Teheran definitiv wehtun", so der Politologe. Die Japaner verhandeln schon mit Saudi-Arabien über zusätzliche Öllieferungen, um iranisches Öl zu ersetzen. Außerdem werden immer mehr Stimmen laut, dass es auch zu Luftangriffen auf die Atomanlagen des Gottesstaates kommen könnte.

Im Hinterhof des Erzfeindes

Teheran sieht seine Beziehungen zu Lateinamerika als "dynamische Außenpolitik in Hinterhof des Erzfeindes USA". Beobachter jedoch zweifeln am Erfolg dieser Politik. "Lateinamerika kann in diesen Zeiten nur politische Unterstützung anbieten, die aber letztendlich dem Iran nicht weiterhelfen wird, da diese Länder in der internationalen Szene keine große Rolle spielen", sagt ein westlicher Diplomat in Teheran.

Beobachter in Teheran meinen, dass der Iran realistisch gesehen seine Probleme nur in Gesprächen mit den Weltmächten über den Atomstreit lösen könne. Da können die Lateinamerikaner keine Rolle spielen. Als vom Westen anerkannter Vermittler käme einzig und alleine das islamische Nachbarland Türkei in Frage.

Daher versucht der Iran nicht nur die Atomgespräche wieder aufzunehmen, sondern die Türken - wenn auch wenn nur als Gastgeber - mit ins Boot zu nehmen. Gleichzeitig versucht man mit indirekten Drohungen mit der Schließung der Straße von Hormus für den Ölhandel den Westen vor Ölsanktionen abzuschrecken. Denn dessen Wirtschaft ist von der Ölversorgung und den Ölpreisen abhängig.

Alles hängt am Öl

Über 70 Prozent des iranischen Einkommens stammen aus dem Ölexport. Falls es zu Sanktionen käme, könnte der Iran im schlimmsten Fall über 50 Prozent dieser Einnahmen verlieren und damit in eine ernsthafte Wirtschaftskrise geraten. "Da können die Lateinamerikaner auch nicht weiterhelfen", so der Ökonomist weiter. Wegen des - in Teherans Worten - "Wirtschaftskriegs des Westens" hat die nationale Währung Rial - in Wochenfrist 25 bis 30 Prozent an Wert verloren.

Zwar hat der Iran mit den lateinamerikanischen Ländern mehrere Verträge unterschrieben und beide Seiten wollen Millionen in diversen Projekte investieren. Aber diese Projekte bestehen bis jetzt nur auf Papier. Besonders die iranischen Privatunternehmen sehen keine Perspektiven in diesen Ländern. "Das weiß auch die Regierung sehr gut", sagt ein iranischer Journalist.

Laut Beobachtern gibt der Iran den Lateinamerikanern mehr, als die ihm im Gegenzug bieten können. Auf dem iranischen Markt gibt es derzeit nur den "Chavez-Whisky" - ein angeblich preisgünstiger, aber nicht gerade edler Tropfen aus Venezuela. Woher und wie der Whisky ins islamische Land kommt, wo Alkohol verboten ist, bleibt unklar.

Ob nun Hugo Chavez in Venezuela, Daniel Ortega in Nicaragua, Raul Castro in Kuba oder Rafael Correa in Ekuador: Keiner von ihnen kann das Problem des Irans bei eventuellen Sanktionen lösen. "Ein westlicher Staatssekretär bei den Atomgesprächen wäre da nützlicher für den Iran als die vier Herrschaften zusammen", sagte der westliche Diplomat in Teheran.

Farshid Motahari / dpa

Todesstrafe für Agenten

Der iranisch-stämmige angebliche Agent des US-Geheimdienstes CIA, Amir Mirza Hekmati, ist im Iran zum Tode verurteilt worden. Hekmati sei der "Zusammenarbeit mit einem feindlichen Land und der Spionage für die CIA" schuldig befunden worden, berichtete die Nachrichtenagentur Fars am Montag.

Die Todesstrafe wurde demnach vom Revolutionsgericht in Teheran verhängt.

Meinung

Wirtschaftlich kann Lateinamerika dem Iran wenig bieten. "Neue Märkte zu suchen ist zwar eine rationale Initiative des Irans, aber Lateinamerika ist wirtschaftlich keine ernsthafte Alternative zu Europa, Japan oder Korea," sagt ein Wirtschaftsexperte in Teheran.

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