Russland lässt sich von Assad feiern
Während in Homs erneut Dutzende Menschen im Granathagel der syrischen Armee starben, besuchte der russische Außenminister Staatschef Assad.

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Der Staatsjubel funktioniert noch. "Danke Russland, danke China", stand auf den Transparenten, mit denen Tausende Regimeanhänger den Gast aus Moskau bei seiner Fahrt zum Präsidentenpalast in Damaskus begrüßten. Begleitet von weltweiter Empörung über Russlands Veto im UN-Sicherheitsrat war Außenminister Sergej Lawrow gestern nach Syrien gereist, um mit Präsident Bashar al-Assad "eine politische Lösung" zu suchen. Zur gleichen Zeit ließ dessen Regime die Stadt Homs bereits den vierten Tag in Folge bombardieren. Auch in der nördlichen Region um Idlib sowie in den Vororten von Damaskus ging die Armee mit aller Härte vor.
Keine Zugeständnisse
Assad sei "absolut entschlossen, das Blutvergießen zu beenden", erklärte Lawrow nach dem knapp zweistündigen Gespräch und bezeichnete sein Treffen als "sehr nützlich". Weitere Zugeständnisse des syrischen Machthabers konnte er allerdings nicht vermelden, obwohl der Kreml vor seiner Abreise lanciert hatte, Lawrow wolle Assad zum Rücktritt bewegen sowie eine stufenweise Übergabe der Macht verhandeln. Der syrische Diktator dagegen erklärte sich lediglich bereit, einen konkreten Zeitplan für ein Verfassungsreferendum festzulegen. Wer die neue Verfassung erarbeitet, ist unklar. Angeblich soll sie ein Mehrparteiensystem einführen und die Amtszeit des Präsidenten auf maximal acht Jahre begrenzen.
Scharfschützen
Derweil forderte das heftige Bombardement in Homs auch am Dienstag wieder Dutzende Menschenleben. Tags zuvor waren mehr als 70 Menschen im Granatenhagel gestorben, am Wochenende über 260. Augenzeugen berichteten, niemand traue sich mehr auf die Straße, überall lauerten Scharfschützen. "Der Beschuss geht rund um die Uhr, alle paar Minuten gibt es eine Explosion", berichteten Bewohner gegenüber Al Jazeera. "Es ist unfassbar - es gibt keine Bunker, nirgends kann man Deckung suchen." Ein Video aus einem provisorischen Verbandsraum zeigt Tote und Verletzte mit schrecklichen Wunden. Auf anderen Bildern sind blutverschmierte Bürgersteige, brennende Häuser und Rauchwolken von Granateneinschlägen zu sehen. Strom, Wasser und Telefone sind unterbrochen, es gibt kaum noch etwas zu essen. "Wir wissen nicht mehr ein noch aus, wir warten nur noch darauf zu sterben", klagte einer der Bewohner.
Neuer Versuch
Nach den USA und Großbritannien gaben gestern auch Belgien, Italien und Frankreich bekannt, ihre Botschafter zu Konsultationen aus Damaskus abzuziehen. Die Golfstaaten beschlossen, alle syrischen Botschafter auszuweisen und ihre diplomatischen Vertretungen in Syrien zu schließen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan schlug vor, nach dem "Fiasko für die zivilisierte Welt" im UN-Weltsicherheitsrat mit gleich gesinnten Nationen eine neue diplomatische Initiative zu starten, die "bei dem syrischen Volk steht und nicht bei dem Regime". Moskau und Peking hätten mit ihrem Veto "dem Tyrannen eine Lizenz zum Töten" ausgestellt.














