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Zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 um 14:43 UhrKommentare

"Der Kampf geht weiter": Roberto Saviano gibt nicht auf

Es scheint etwas faul zu sein im Staate Italien: Roberto Saviano, seit seinem Erstlingswerk "Gomorrha" in Lebensgefahr, prangert die Zustände in Italien an.

Foto © AP

Die Machenschaften von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, die merkwürdigen Begleitumstände beim Unglück des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", die milliardenschweren Löcher im Landeshaushalt: Es scheint etwas faul zu sein in Italien - und kaum jemand kritisiert das derzeit so harsch und offen wie Roberto Saviano. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller und Journalist prangert in seinem neuesten Buch mit dem programmatischen Titel "Der Kampf geht weiter" nicht mehr nur das kriminelle Vorgehen der Mafia an, sondern hat seine Anklage längst ausgeweitet: "Ich habe das Gefühl, dass die Demokratie ernsthaft in Gefahr ist."

Wählerstimmen seien vielfach gekauft, am Bau würde dermaßen gepfuscht, dass die Häuser beim kleinsten Erdbeben reihenweise zusammenklappten, die Müllkrise in Neapel sei nach wie vor nicht unter Kontrolle und über alldem liege die Scheinheiligkeit des Katholizismus. Das Klischee vom sonnenverwöhnten Land der Machos und der hohen Lebensqualität sei lange überholt. "Italien ist seit langem ein unglückliches Land."

Wer Missstände kritisiere, werde nicht etwa ernst genommen, sondern verbannt und öffentlich niedergemacht. "Was passiert in Italien, wenn man den Herrschenden in die Quere kommt? Es wird eine Maschinerie in Gang gesetzt." Dossiers würden angefertigt, willfährige Journalisten angeworben, die Gegner würden mit Hilfe der Medien und durch Erpressung diffamiert.

Saviano weiß, wovon er spricht - schließlich lebt der 32-Jährige seit seinem Erstlingswerk "Gomorrha" 2006 im Untergrund versteckt und ständig von Polizisten bewacht. Radikal hatte er in dem Buch die kriminellen Strukturen der Mafia beschrieben, dazu Namen und Orte glasklar benannt. Von der Mafia bekam er daraufhin Morddrohungen - aber auch sonst habe es nur Anfeindungen gehagelt, beklagt Saviano.

Berlusconi selbst habe gedroht, ihn zu "erwürgen", andere warfen ihm Vaterlandsverrat vor. Der Vorwurf verletze ihn sehr, schreibt Saviano, denn er schreibe doch nur, um seinem trotz allem geliebten Italien zu helfen. "Erzählen ist der erste Schritt Richtung Handeln, denn Worte sind Taten. (...) Wenn man davon erzählt, wie die Dinge stehen, zeigt man, dass man nicht länger bereit ist, sie hinzunehmen."

Auch in seinem neuen Buch geht Saviano nicht überblicksartig vor, sondern reiht die meist grausamen Fakten zur Mafia in verschiedenen Zusammenhängen eher sprunghaft aneinander, durcheinandergewürfelt mit anderen Themen. Das wirkt oft verwirrend und nimmt dem Buch die Konstanz: Während einige Seiten erschaudern lassen, sind andere eher zäh zu lesen.

Auch Savianos Vorschlag für einen Ausweg seines Heimatlands aus der Misere scheint reichlich naiv und wenig ausgefeilt. "Ich würde mir gern ein Italien vorstellen, in dem ein Erdbeben nicht immer so erlebt wird, als geschähe es zum ersten Mal. Ein Italien, das besser gemacht, besser gebaut ist, ein Italien, das den Erdstößen standhält", schreibt er mehrdeutig. Wie das gehen soll? Da hat auch Saviano erstmal nur Wunschträume parat: "In dem Augenblick, in dem jeder von uns sich an die Legalität hält, drängt er die organisierte Kriminalität zurück."

Von Christina Horsten/dpa

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