Frank Stronach erhält hohes Ehrenzeichen der Republik
Ehrung für Stronach und emotionale Störungen aus Niederösterreich. Rendezvous mit einer Zeit, als Politiker noch miteinander reden konnten.

Foto © ReutersFrank Stronach
Für Spannungen ist gesorgt, wenn Konzernboss Frank Stronach am Mittwoch feierlich das "Große goldene Ehrenzeichen mit dem Stern" für Verdienste um die Republik Österreich verliehen bekommt. Für die Verleihung, die bei Magna International in Graz über die Bühne geht, reist der dafür zuständige Wirtschaftsminister Rudolf Mitterlehner aus Wien an. Einlader für die kleine Feier ist aber Magna-Chef Siegfried Wolf, der zuletzt als quasi "schwarzer Widerpart" zu Kanzler Werner Faymann bei den ORF-Sommergesprächen fungierte. Wolf hat dazu auch Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und seinen Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (ÖVP) eingeladen.
Voves ließ sich "aus Termingründen" entschuldigen. Insider aber vermuten, dass der Grund ein anderer sein könnte: Offenbar wurde überlegt, wie Schützenhöfer bei der Feier zu Wort kommen könnte, nicht aber Voves. Keine Vermutung, sondern Fakt ist ein Interview von Stronach, das dieser der Kleinen Zeitung (siehe Wirtschaftsteil) gegeben hat. Darin spricht er sich ganz deutlich für die Wahl von Voves aus. Deshalb kann man schon gespannt sein auf die Worte Schützenhöfers - falls es zu diesen kommt.
Dabei dürfte der Grund dafür, dass Stronach so schlecht zu sprechen ist auf die ÖVP, gar nicht hausgemacht sein: Stronach ist zornig auf Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, von dem er sich beim Stadion-Projekt in Wiener Neustadt im Stich gelassen fühlt. Am Dienstag zog sich Stronach beim FC Wiener Neustadt als Sponsor zurück (siehe Sportteil).
Es war ein Rendezvous mit der "guten, alten Zeit" im Steirischen Presseclub, ein Gruß aus jener Zeit, in der Politiker über Parteigrenzen hinweg noch reden konnten miteinander: Ex-Landesrat Gerhard Hirschmann (ÖVP), Ex-Landesrat Michael Schmid (BZÖ) und Noch-Landtagspräsident Kurt Flecker (SPÖ) gaben einander auf Einladung von Presseclub-Präsident Johannes Kübeck die Ehre.
Das Miteinander-reden-Wollen sei verloren gegangen, darin stimmten alle überein. Für Flecker "fehlt es beiden großen Parteien an Profil", die Beliebigkeit erschwere mangels eigener vermarktbarer Identität den gemeinsamen Weg. Flecker und Schmied zeigten sich übrigens gleichermaßen betroffen davon, dass in der SPÖ nicht einmal mehr die Jugend aufbegehre gegen das "schändliche Spiel" der FPÖ.
Keiner der drei glaubt daran, dass die großen Parteien nach der Wahl die Regierung verkleinern werden, trotz des Versprechens bei der Elefantenrunde der Kleinen Zeitung. Aber was soll's: Für Hirschmann ist der Landtag eh nur "der einzig frei gewählte Stammtisch der Republik". Für die Abschaffung plädiert er heute nicht mehr, aber für eine Selbstfindung und Neugründung ohne "schädliche" Gesetzgebungskompetenz.














