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Zuletzt aktualisiert: 15.02.2010 um 19:25 UhrKommentare

Sade und die Gefahr des Marmorsockels

Satte zehn Jahre sind vergangen seit Sades letzter LP "Lovers Rock", über ein Viertel-Jahrhundert seit dem Debüt "Diamond Life". In Attitüde und Sound hat sich freilich nicht übermäßig viel getan - Sade ist nach wie vor eine bildhübsche Frau, die vielleicht zu hübsche Musik macht und ab und zu auf gute Songs vergisst.

Helen Folasade Adu, bekannt als "Sade" und ohne Scheu vor Halsschmuck

Foto © SonyHelen Folasade Adu, bekannt als "Sade" und ohne Scheu vor Halsschmuck

Das Gute zuerst: Das Alter kann Sade, mittlerweile 51 Jahre, offenbar rein gar nichts anhaben. Makellos steht sie da, fern von Trends, sich ungustiös produzierenden Sternchen, die es in den Pop-Olymp schaffen wollen und niemals auch nur annähernd ihre Klasse besitzen werden. Ein Augenaufschlag von ihr hat mehr Sex als alle als Madonna-Musikvideos verkleidete Softpornos und Bauch-Beine-Po-Workouts jemals hatten. Sich selbst in einer eigenen Liga zu bewegen, birgt freilich auch eine Gefahr: Von dem Sockel, auf den man einmal gestellt wurde, nicht mehr runterzukommen, um etwas Frisches zu wagen: Eben so auch bei "Soldier of Love". Sade bleibt Sade bleibt Sade. Schade.

Der Titel-Track gefällt gut, kommt mit zackigem Militär-Schlagwerk flott daher, ein paar Kanten mehr hätte man sich vielleicht auch für den Rest erwartet: Leider ist die Platte glatt produziert wie ein frischer Pfirsich, am ehesten fallen gelungene Trompeten-Einwürfe und geschmackvoll eingesetzte Gitarren auf. Stuart Matthewman (Gitarre, Saxophon), Paul Spencer Denman (Bass) und Andrew Hale (Keyboards) liefern der schönen Nigerianerin einmal mehr genau jenen samtweichen Teppich, auf dem sie sich gerne räkelt.

Einen weltumspannenden Hit wie "Smooth Operator" wird man hier so oder so nicht finden, Tracks wie (das wirklich hübsche) "Babyfather", "Bring me Home" oder "Be that easy" streicheln die Seele gekonnt, Berührungen fühlen sich aber anders an: Der Satellitenkurs, auf dem das Quartett seine treuen Fans seit 1984 umkreist, ist abgesteckt. Feinjustierungen ja - Änderung des Konzeptes? Vergesst es, Leute. Das ist noch immer Mitternachts-Bar-Soul der Premium-Sorte, Sade haucht auf ihre unnachahmbare Art vom Weltenschmerz, doch der Weltenschmerz, der ist hier immer auf Hochglanz poliert.

Textlich war Sade zweifellos einmal positiver gestimmt - Liebe ist bei ihr ein Kampf, sie steht meistens am Fuß eines Berges oder am Beginn von langen Straßen, die es zu überwinden gilt, und Enttäuschungen, ja, die lauern eigentlich überall. Nein, das Leben ist keine Kinderjause und Sade eben auch keine Rockband, die sich auf gute Stimmung hochfährt. Was bleibt, ist eine auf eine sehr souveräne Weise mediokre Scheibe von einer unterkühlten Göttin - ein paar gute Songs mehr innerhalb von zehn Jahren hätten es schon sein dürfen: Hier wären vor allem auch Sades Bandkollegen gefragt gewesen. Zehn Jahre, zehn Songs? So bleibt nur zu sagen: Auf Wiederhören im Jahre 2020 dann wohl...

7.0 / 10

THOMAS GOLSER

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