Archaische Zeichen eines Unbequemen
Antoni Tàpies, 88, war ein Großer der Weltkunst.
BARCELONA. Er war Träger des Rembrandt-Preises, des Herbert-Boeckl-Preises und des Praemium Imperiale, Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres, vielfacher Ehrendoktor - und einer der großen Künstler des 20. Jahrhunderts: Antoni Tàpies, der am Montag 88-jährig in seiner Heimatstadt Barcelona starb. Bis zuletzt hatte der gesundheitlich schon länger Angeschlagene gearbeitet.
Der Katalane (auf diese Zuordnung legte er besonderen Wert) aus gutbürgerlicher Familie kam früh mit den revolutionären Kunstbewegungen des vorigen Jahrhunderts in Berührung: Expressionismus, Surrealismus, Kubismus, Dada, Art Brut, Informel. Davon ausgehend schuf er ein durch und durch eigenes Werk, Bilder und Objekte aus Erden, Textilien und anderen Materialien. Oft monumentale Arbeiten, in denen Ocker, Braun, Grau und Schwarztöne dominierten.
Tàpies, der wegen seiner Kritik an Francos Regime auch Haft in Kauf nahm, schuf seine bildnerischen Werke auf der Basis eines umfassenden Wissens. Der Schöpfer von archaisch wirkenden Zeichen war tatsächlich ein politisch engagierter, unbequemer Intellektueller, der sich mit Marx ebenso befasst hatte wie mit Mystik, mit Taoismus ebenso wie mit Totalitarismus.
1990 wurde die Fundació Antoni Tàpies eröffnet, längst Fixpunkt für Besucher der katalanischen Metropole. WT
www.fundaciotapies.org













