Albert Sackl: 180 Sekunden Island
Der Grazer Regisseur Albert Sackl (35) hat sich dem analogen Kurzfilm verschrieben. Jetzt ist er für den Europäischen Filmpreis nominiert.

Foto © SACKL Irgendwo in Island. Albert Sackl (35) verknüpft Bild für Bild die Dreiecksbeziehung zwischen Mensch, Raum und Natur
K ürzlich wurde beim Filmfestival in Rotterdam die Nominierung Ihres Kurzfilms "Im Freien" für den renommierten Europäischen Filmpreis bekannt gegeben. Eine Überraschung?
ALBERT SACKL: Ehrlich gesagt, ja. Meist liegt der Fokus der Jurys auf konventionellen Kurzfilmen. Ich identifiziere mich aber stark mit der Tradition des Avantgarde-Kinos und bin glücklich, dass eine experimentelle Arbeit eine solche Resonanz erfährt.
Meint der Titel auch: Ihre erste Arbeit außerhalb des Studios?
SACKL: Genau. Es ging mir darum, aus den geschützten Räumlichkeiten hinaus zu gehen, um mich in einer unkontrollierten Situation zurecht finden zu müssen. Weit abgelegen, mitten in Island.
Ursprünglich wollte ich in der Mongolei drehen, allerdings fühlt man sich dort als Künstler oft wie ein UFO, ständig unter Beobachtung. Insofern war ich mit der unberührten Landschaft eine Stunde von Reykjavik sehr zufrieden.
Vier Jahre Vorbereitung, 73 Drehtage in Island, alle 180 Sekunden ein automatisches Kamerabild. Ziemlich riskant, oder?
SACKL: Das macht für mich den Reiz aus. Ich wollte Leichtigkeit einfangen, gepaart mit den dortigen Naturgewalten. Ohne meine Kollegen Markus Krispel und Franz Zar wäre es nicht gegangen. Die Wetterbedingungen sind enorm kräfteraubend. Aber je länger wir dort waren, desto mehr war ich von meiner Idee überzeugt. Bild für Bild wollte ich eine bewegte Illusion erzeugen, 20 Sekunden im Film bedeuten 24 Stunden in Echtzeit. Es beschreibt die karge Natur, in die der Mensch nach und nach eindringt. Am Ende steht ein Haus, sozusagen ein Fremdkörper.
"Im Freien" hatte im Herbst im Filmmuseum Wien Weltpremiere.
SACKL: Ja, und es war ein großartiger Moment, auch weil Peter Kubelka, mein langjähriger Lehrer in Frankfurt, der Gründer des Museums ist. "Im Freien" wird man natürlich auch bei der Diagonale im März sehen, in Graz bin ich ja seit 1998 dabei.
Und was birgt die Zukunft?
SACKL: Im nächsten Film wird es wieder um Räume gehen, innen wie außen. Ist aber alles noch in der Entwicklungsphase. INTERVIEW: HANNAH SCHIFKO
Features
Fakten
Albert Sackl, geboren 1977 in Graz, lebt in Wien.
Studium: Bildende Kunst an der Städelschule Frankfurt bei Peter Kubelka: Akademie der bildenden Künste Wien bei Heimo Zobernig. Filmemacher, Künstler.
www.albertsackl.com













