Buchmann: "Nichtraunzer-Zone für den Kulturbetrieb"
Kulturlandesrat Christian Buchmann (ÖVP) sprach mit uns zum Auftakt unserer Serie über die Forderung nach seinem Kopf, über die Qual der Evaluierungen und Baustellen, auf denen es in die Hände zu spucken gilt.

Foto © Sabine HoffmannKulturlandesrat Christian Buchmann
Bei einer Podiumsdiskussion über die schöne Kunst und das schnöde Geld sagte Kurator Peter Weibel kürzlich auf die Frage, was sich denn ändern solle: "Der Buchmann muss weg!" Und aus dem Saal echote es: "Ja, der Buchmann muss weg!!!" Was haben Sie falsch gemacht?
CHRISTIAN BUCHMANN: Ich stehe für einen Kulturdialog und bin permanent mit den Künstlern im Gespräch, was wir an Kulturentwicklung tun und verbessern können. Wäre ich dort gewesen, hätte ich den Anwesenden gesagt, dass Kultur auch Kultur in der Auseinandersetzung braucht. Bloß nach der Guillotine zu rufen, die seit der Französischen Revolution abgeschafft ist? Peter Weibel habe ich als einen sehr kunstsinnigen Menschen kennengelernt, aber mittlerweile kommt er ins Altersgranteln. Damit zerstört er selbst seinen Ruf. Sich an einen bürgerlichen Kulturreferenten zu reiben, ist ja in einer linken Kulturschickeria sicherlich immer wieder ein schönes Spiel. Meine Aufgabe ist es aber, für die Kunst und die Künstler zu arbeiten und zu kämpfen, und das mache ich jeden Tag.
Nach besagter Diskussion hörte man von den Leuten die Kritik, dass Ihnen Empathie und Leidenschaft für die Kultur und die Kulturschaffenden völlig abgehe.
BUCHMANN: Schauen Sie: Ich bin ein leidenschaftlicher Sportler. Im Sport braucht man im Regelfall Empathie. Zumindest wenn man bei Ballsportarten tätig ist, weil man ja mit Partnern das Match bestreitet. Ich will niemanden überreden, dass es anders ist. Ich werde aber diejenigen, die eine solche Meinung haben, durch Taten überzeugen.
Es heißt, Sie hätten eine geradezu körperliche Abneigung gegenüber Kulturleuten.
BUCHMANN: Absoluter Blödsinn! Aber natürlich bin ich einer, der sich auch kein Blatt vor den Mund nimmt. Wenn das manche als zu direkt empfinden, tut es mir leid. Ich will aber etwas weiterbringen und werbe deswegen für eine Nichtraunzer-Zone im Kulturbetrieb.
Ist Ihre Klientel schwierig oder sind Sie schwierig?
BUCHMANN: Ich glaube, wir passen gut zueinander. In einem Reibungsprozess entsteht eben Reibungswärme. Und Reibungswärme heißt Entwicklung. Das Schlimmste im Kunstbetrieb ist, wenn es Stillstand gibt.
Die Stimmung, die in der Szene herrscht, hat wohl auch mit der verheerenden Abwesenheit von Kulturpolitik zu tun: In Graz gibt es seit Kurzem den siebente Kulturstadtrat im achten Jahr war. Ist das auch für Sie schwierig?
BUCHMANN: Die SPÖ hat das Nominierungsrecht für den Kulturreferenten in der Stadt. Sie hat das mehrfach beansprucht durch unterschiedliche Persönlichkeiten. Es gibt viele Projekte, die das Land und die Stadt gemeinsam finanzieren. Und da gibt es auch stets regen Austausch mit dem Bürgermeister, mit dem Finanzstadtrat und natürlich mit dem Kulturreferenten. Ich freue mich auch schon auf ein Gespräch mit Michael Grossmann. Außerdem: Ich habe das Kulturressort in der Stadt Graz von 2003 bis 2005 geführt. Mir braucht von den Künstlern keiner was zu erklären. Mein Wissen fließt nun auch in meine Arbeit auf Landesebene ein. Ich möchte zum Beispiel die mehrjährigen Förderverträge auf Landesebene fortsetzen. Allerdings ich will keine Evaluierungen mehr, sondern einen von den Beiräten nach klaren Kriterien ausgearbeiteten Call, nach dem künftig diese mehrjährigen Förderverträge ausbezahlt werden. Derzeit erhalten 146 Initiativen 5,2 Millionen Euro.
Was ist denn das Problematische an den Evaluierungen?
BUCHMANN: Dass es immer einen Schuss Subjektivität dabei gibt. Ich will niemanden quälen, die Evaluierungen auf Bundes-, Landes- und Stadtebene haben ja ein Ausmaß angenommen, bei denen die Künstler den Eindruck haben, sie arbeiten mehr fürs Verwalten und weniger fürs Gestalten. Ich möchte, dass es Planungssicherheit, Finanzierungssicherheit für Säulen und Leuchttürme der Kulturentwicklung der Steiermark gibt. Klar ist aber: Es gibt kein Fortschreiben des status quo. Es muss sich jeder neu bewerben. Aber diejenigen, die sich bewähren, werden mit entsprechend Treibstoff ausgestattet.
In der Evaluierung der Kulturförderungen durch die Stadt Graz stehen neben ein paar Gemeinheiten bezüglich Kürzungen so Merkwürdigkeiten, dass man leitende Positionen öfter wechseln solle, um mehr Transparenz zu schaffen. Kontinuität und aufgebaute Netzwerke, keine wichtigen Werte?
BUCHMANN: Das ist ein bissl ambivalent. Man braucht beides: Kontinuität, aber auch das Zulassen von Neuem. Wenn ich an unser Opernhaus, an unser Schauspielhaus denke, haben wir sehr gute Intendantinnen und sehr gute Leistungen ihrer Bühnen. Mir war es darum wichtig, Elisabeth Sobotka und Anna Badora zu halten. Ebenso Veronica Kaup-Hasler für den steirischen herbst, um nur einige zu nennen.
Jetzt beschreiben Sie genau jene Betriebe, die am meisten unter dem Sparpaket ächzen. Wie lange muss dort die Schmalhans-Küchenmeisterei fortgesetzt werden?
BUCHMANN: Ich habe ja vor ziemlich genau einem Jahr gesagt: Fürchtet euch nicht! Und ich habe Wort gehalten. Ich weiß, dass damals viele Kunstschaffende quasi Faust zitiert haben: "Genug der Worte, ich will Taten sehen!" Die Taten sind erfolgt. Ich habe bei der Freien Szene und bei den Festivals, mit Ausnahme der Regionale, nicht gekürzt. Es haben alle ihre mehrjährigen Förderverträge voll ausbezahlt bekommen. Dafür habe ich die Theaterholding und das Universalmuseum um Hilfe gebeten, das Gros der Einsparungen zu tragen, mit der Gegengarantie einer Planungs- und Finanzierungssicherheit bis 2017. Ich sage immer dazu: In guten Zeiten können eh alle großartig arbeiten, in angespannteren Zeiten nur die Besten. Und jetzt müssen sie halt zeigen, dass sie die Besten sind.
Manche behaupten ja, in diesen sogenannten großen Tankern steckt noch mehr Sparpotenzial.
BUCHMANN: Jetzt sollen einmal diejenigen im Mittelbau des Kulturbetriebes, die so etwas behaupten, zeigen, dass sie es in ihren Institutionen auch so gut können.
Sie haben "Baustellen" erwähnt: Welche sind denn die größeren?
BUCHMANN: Das Universalmuseum Joanneum in seinem Jubiläumsjahr war natürlich eine große Herausforderung. Das wollen wir nun mit all seinen Außenstellen in eine gute Zukunft führen. Ein bissl weniger jammern muss die Führung halt über das knappe Geld. Diese Baustelle habe ich ja von meinen Amtsvorgängern übernommen, dazu kam der Streit zwischen Peter Pakesch und Peter Weibel, die zwar an meinem Tisch erklärten, wie sehr sie einander schätzen, aber dann bei Pressekonferenzen das Gegenteil ausrichteten. Das wirft schon auch ein bezeichnendes Licht auf einzelne Akteure.
Was ist in Zukunft wichtig?
BUCHMANN: Ein paar Beispiele: Dem steirischen herbst wollen wir künftig einen besonderen Auftrag und Stellenwert einräumen, um ihn zu stärken - spätestens ab 2013 muss ein mehrjähriger Fördervertrag her. Wir wollen einen ganz starken Jugendakzent setzen, quer durch alle Sparten, und auch den Austausch junger Kunstschaffender ins Ausland möglich machen. Die derzeitige Ateliersituation in Graz ist sehr unbefriedigend, das "Rondo" eine eher unglückliche Lösung, ein neues Atelierhaus täte not. Dem Alpe-Adria-Raum ging ja durch neue EU-Mitgliedschaften quasi die Luft aus, diesen gewachsenen Kulturraum könnte man durch Kulturinitiativen bespielen. Und dann ist natürlich die Neuorganisation des Künstlerhauses dringlich, das wir im Herbst eröffnen wollen.
Was möchten Sie dort sehen?
BUCHMANN: Aktuell ist der Landeskulturrat dabei, eine Expertise zu erarbeiten. Ich möchte regionales Schaffen im internationalen Kontext haben und dass gerade jungen Künstlern Chancen geboten werden. Und ich möchte insbesondere, dass andere Institutionen, die sehr viel Geld von der öffentlichen Hand kriegen, auch einmal ihre Kernaufgaben wahrnehmen, mitdenken und mitgestalten. Es ist doch bezeichnend, wenn das Forum Stadtpark bei dieser Initiative mit dabei ist, die in Sorge um die Bildende Kunst im Lande Appelle an die Kulturpolitik richtet.
Es gibt also eine Fülle von Aufgaben, aber keine Fülle von Geld. Mit leerer Hose ist schlecht stinken.
BUCHMANN: 60 Millionen Euro, die das Land jährlich in den Kunst- und Kulturbetrieb investiert, sind nicht wenig Geld. Die Frage ist: Wie zielgerichtet kommt es bei den Kunstschaffenden an? Ich bin dafür, dass es dort eingesetzt wird, wo es jungen Künstlern hilft, wo Kulturentwicklung stattfindet. Und wo vor allem eine gewisse natürliche Kraft da ist.
2011 waren es 7,5 Millionen weniger als 2010, heuer sollen rund elf Millionen eingespart werden. Braucht es also Verschiebungen?
BUCHMANN: Ein Budget unterliegt immer gewissen Verschiebungen. Zudem müssen wir intensiver an den Bund herantreten. Die Steiermark macht 14% der Bevölkerung Österreichs aus, aus dem Kunstbudget des Bundes kriegen wir aber nur 4 %. Ministerin Claudia Schmied hat dem Landeshauptmann ganz glücklich geschrieben, dass es von ihrer Seite keine Kürzungen gebe. Na gut, sehr schön! Ich habe Schmied aber ganz deutlich gesagt, dass wir uns eine deutliche Steigerung erwarten. Also, im ersten Schritt bis 2015 eine Erhöhung von 4 % auf 8% wäre ein schöner Ansatz.













