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Zuletzt aktualisiert: 27.08.2010 um 16:36 UhrKommentare

Noch immer keine Entspannung

Einen Monat nach Beginn der Flutkatastrophe in Pakistan stehen die Helfer erst am Beginn der Katastrophenhilfe. Eine Caritas-Mitarbeiterin befand sich am Freitag in Islamabad.

Foto © Reuters

Laut UNO wird es mindestens vier bis fünf Jahre dauern, bis sich das Land und die Menschen von der Flut erholt haben. "Nach dem, was ich hier sehe, kann ich das nur bestätigen", sagte Kalcsics im APA-Gespräch.

Es ist derzeit sehr heiß in Pakistan, die extrem hohe Luftfeuchtigkeit macht den Helfern zu schaffen, der Monsunregen ist noch nicht vorbei. "Es gibt immer noch regionale Regengüsse", so die Helferin. Die Situation in den einzelnen Regionen beschreibt Kalcsics als sehr unterschiedlich. Im Süden, in den Provinzen Punjab und Sindh, ist die Not derzeit am größten und die Bevölkerung wird mit Nothilfepaketen versorgt. "Gerade die hygienischen Zustände sind furchtbar", so die Helferin. Die Hilfsorganisationen müssen vorwiegend mit den Frauen sprechen, denn "sie sind diejenigen, die sich um ihre Kinder kümmern." Manchmal sind die Mütter aber schon zu schwach dafür.

Hygiene größtest Problem

Die Hygiene ist momentan das größte Problem in den Gebieten, die Bevölkerung leidet an Durchfall. Ausgelöst wird dies aber nicht nur von der Flut alleine. Kalcsics erklärte, dass die Mangelerscheinungen, die bereits vor der Katastrophe vorhanden waren, durch die Flut verstärkt werden und dies beschleunigt die Unterernährung. "Für uns als Hilfsorganisation ist es extrem schwierig zu helfen. Wir müssen aufpassen, dass eine zweite Welle der Katastrophe nicht noch schlechtere hygienische Zustände bringt." Es sei wichtig, dass die Nothilfepakete Wasserreinigungstabletten und Trinkwasserlösungen gegen Durchfall beinhalten.

Die vom Hochwasser betroffene Fläche ist in etwa so groß wie Italien. Dazu kommen noch Gebiete, die zwar nicht mehr unter Wasser stehen, wo aber alles im Schlamm versinkt. Die Menschen sind notdürftig in Zelten untergebracht. "Manche auf einem Feldweg, links davon die Überschwemmung, rechts der Fluss. Dort wo Platz ist, stehen die Zelte nebeneinander, aber das sind auf kleinen Flächen auch nicht mehr als fünf", beschrieb Kalcsics die Unterkünfte. Für den Winter, in dem es auch in Pakistan sehr kalt werden kann, reichen die notdürftigen Zelte und Planen freilich nicht aus.

Ernte fällt aus

In der Provinz Punjab leben 90 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft. Durch die Wassermassen fällt die Ernte für die nächsten Monate aus, für den Winter gibt es keine neue Aussaat. Nach wie vor werden laut Kalcsics neue Gebiete überschwemmt. "Wir dürfen uns nicht nur auf die Verteilung der Nothilfepakete konzentrieren, sondern müssen uns auch das Umfeld ansehen", erklärte Kalcsics, "ob genügend Wasserstellen, Pumpen und Kanister vorhanden sind." Die Caritas versucht, gemeinsam mit den lokalen Hilfsorganisationen, die Bevölkerung in den Wiederaufbau miteinzubeziehen. Die Männer, die vorwiegend in der Landwirtschaft arbeiten, helfen beim Bau der Zufahrtswege, der Wasserversorgung und im Norden beim Bau von Hängebrücken mit und werden dafür entlohnt.

Zu den Bedrohungen seitens der Taliban gegenüber ausländischen Hilfsorganisationen konnte Kalcsics nicht viel sagen. Sie persönlich hat noch nichts davon bemerkt, war aber aus Vorsicht in Punjab mit einer Polizei-Eskorte unterwegs. "Man muss abschätzen, wie weit man gehen kann", so die Helferin. Sie verlässt sich in dieser Situation auf die Einschätzungen der lokalen Partner-Organisationen, auch auf deren kulturelles Know-How betreffend der einzelnen Volksgruppen. Die Gefahr sozialer Aufstände ist gerade in südlichen Gebieten, wo Hindus und Muslime leben, am größten.


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