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Zuletzt aktualisiert: 06.02.2012 um 13:00 UhrKommentare

Malaria-Versuche an Heimkindern?

In Wien sollen Heimkinder in den 1960er-Jahren an der Universitätsklinik bewusst mit Malaria infiziert worden sein. Das berichtet ein Betroffener im "Ö1-Morgenjournal".

Foto © APA

Ein mittlerweile 63-Jähriger erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie: Dort sollen Heimkinder in den 1960er-Jahren systematisch für medizinische Tests missbraucht worden sein. Er sei absichtlich mit dem Malaria-Erreger infiziert worden. Von jemand anderem sei Blut abgenommen und ihm in den Muskel eingespritzt worden, berichtete der Mann am Montag im "Ö1-Morgenjournal". Die Folge: zuerst zwei Wochen lang Fieber bis zu 42 Grad, danach plötzliche Fieberschübe und Schweißausbrüche - jahrzehntelang.

Im Alter von 16 Jahren wurde der Mann mit der Diagnose "Psychopathie" in die Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie eingeliefert. Dort musste er sich einer sogenannten "Malaria-Therapie" unterziehen. "Ich wurde dazu gezwungen. Eine Ärztin hat mir gesagt, das ist eine Malaria-Kur, wir machen da Versuche", berichtet der 63-Jährige über die zweifelhafte Zwangstherapie. Gewehrt habe er sich nicht. Auch weil man ihm damit gedroht hatte, ihn in die geschlossene Abteilung zu verlegen.

Wissenschaftlich veraltete Behandlung

Zeitzeuge und Psychiater Bernd Küfferle bestätigte, dass Malaria-Versuche zur damaligen Zeit zur gängigen Praxis gehörten. Der Malaria-Erreger sollte in Patienten am Leben erhalten bleiben, um ihn für die Behandlung von Syphilis verfügbar zu haben. Später wurde die Therapie auch für andere psychiatrische Erkrankungen angewandt - schon damals eine wissenschaftlich veraltete Behandlung.

Die Krankenakte von damals existiert nicht mehr. Der Betroffene hat nun bei der Stadt Wien um eine Entschädigung angesucht. Der jetzige Chef der Uni-Psychiatrie, Johannes Wancata, distanzierte sich von der Vorgangsweise seiner Vorgänger und bedauerte die Vorfälle.


Fakten

An der Tropenkrankheit Malaria sterben derzeit pro Jahr 1,2 Millionen Menschen weltweit. Das sind doppelt so viele wie bisher angenommen.

Malaria-Symptome sind hohes, wiederkehrendes Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden des Magen-Darm-Trakts und Krämpfe.

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