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Zuletzt aktualisiert: 06.02.2012 um 11:31 UhrKommentare

"Kein Platz, nur ein Bauplatz"

Es ist der letzte weiße Fleck der Grazer Innenstadtplanung: zu Besuch am Andreas-Hofer-Platz, der teuersten Verkehrsinsel der Stadt.

Foto © Gernot Eder

Es ist der letzte Zufluchtsort im urbanen Niemandsland: Umringt von Straßen, darunter eine Garage, als einzige Nachbarn eine Autovermietung - und mittendrin das "Stix II". Seit 2002 trotzt Inge Holl in ihrem Café mitten am Andreas-Hofer-Platz der Ungemütlichkeit des Planungs-Wildwuchses. Zu schätzen gelernt hat sie ihn nicht wirklich: "Man muss schon sagen, der Platz ist schiach. Ich habe alles versucht, aber hier kann man einfach nichts lieb gestalten."

Seit Jahrzehnten ist der einstige Fischplatz (siehe unten) weitgehend unverbaute Ödnis. Holls Café war jahrzehntelang Teil einer Tankstelle, im Untergrund bildet seit 1965 die Tiefgarage die Basis für einen Bauplatz. "Denn das ist kein Platz, nur ein Bauplatz", räumt Baudirektor Bertram Werle ein. Das steht schwarz auf weiß in der Stadthistorie wie im Flächenwidmungsplan. Wobei das "nur" dennoch Grundlage für eine städtebauliche Chance ist. Werle: "Mit der entsprechenden architektonischen Qualität ist der Platz sehr wohl zu heben."

Es spießt sich

Nur, dass Acoton-Chef Gerald Gollenz, der nicht zu erreichen war, als Bauherr schon seit vier Jahren mit der Stadt verhandelt und noch nicht einmal den Startschuss für den Architektenwettbewerb geben konnte. Um 12,5 Millionen Euro soll die Acoton der Shell AG den Bauplatz abgekauft haben, rund 50 Millionen will der Investor in einen Neubau mit möglicher Hotelnutzung stecken. Es ist die wohl teuerste Verkehrsinsel der Stadt. Letzter Konflikt laut Werle: "Die Acoton wollte 17.000 m² Geschossfläche, die Weltkulturerbe-Kommission und wir können nur 13.000 zulassen." Gollenz bestritt gegenüber der Kleinen Zeitung, es auf die 17.000 m² anzulegen. Wieder einmal spießt es sich mit dem Bau.

Die Verkehrsinsel lädt also weiter nicht zum Verweilen, ja nicht einmal zum Drübergehen ein. Die Trafik ist seit fünf Jahren geschlossen, das Café Sued seit letztem Sommer. Die Tafeln für Werner Schimpls "U-Boot" im Tiefgaragentunnel wurden nie abmontiert, obwohl das Kunstprojekt längst verschwunden ist. Auch der blaue Szyszkowitz-Kowalski-Neubau der Steiermärkischen Sparkasse hat nicht mehr Passanten angelockt. Einzige Lichtblicke: Im Wakonig-Haus richten die Möbeldesigner von "Team 7" im Frühjahr ihren Flagship-Store ein, vis-à-vis erfüllt das Kindercafé Flohcircus wenigstens eine Ecke mit Leben.

Wie es mit ihrem Café "Stix II" weitergehen soll, weiß Holl nicht, mit ihr hat noch keiner geredet. Der "Schatz vom Andreas-Hofer-Platz", wie sie auf einem Plakat liebevoll bezeichnet wird, spielt Karten mit einem Gast. Ihr kann die ganze Aufregung nichts anhaben: "Ich gehe sowieso bald in Pension. Ich mache weiter, bis die Bagger kommen". An der Theke hat Busfahrer Arnold Sarko ein Wörtchen mitzureden: "Wir brauchen hier kein Hotel, nur einen anständigen Busbahnhof. Mit Überdachung, Klo und Parkplätzen für die Pause." Und einem Café, sonst gebe es hier ja nichts mehr. Sein Wunsch geht wohl nicht in Erfüllung. Kommt der Neubau, werden die Busse zum Marburger Kai verlegt.

Und so hat Inge Holl nur noch einen Rat, bevor wir gehen: "Schreiben Sie: ,Besuchen Sie das Stix, solange es noch steht'."

BERND HECKE, NINA MÜLLER

Wussten Sie, dass ...?

... der Andreas-Hofer-Platz in seiner Geschichte meist verbaut war. Als Platz in der heutigen Form entstand er erst 1934 durch den Abbruch des Karmelitinnenklosters, das wie das Neutor und die Neutorbastei im 17. Jahrhundert errichtet wurde.

... der Platz früher Fischmarkt hieß, weil die Fischer am Platz vor der Kirche ihren Fang feilboten. Später hieß er Fischplatz, in der Nazi-Zeit August-Aßmann-Platz (nach einem 1932 von Jungsozialisten erstochenen Grazer SS-Mann).

... das Stadtwerke-Haus des Grazer Architekten Rambald von Steinbüchel-Rheinwall als Schlüsselbau der Moderne gilt. Aus den 30er-Jahren stammt auch der nie realisierte Markthallenentwurf von Josef Petz.

... Mitte der 1960er dort die erste Grazer Tiefgarage errichtet wurde, die heute noch steht. Das Rondeau diente lange als Tankstelle. Die Acoton hat 2008 von Shell das Bestands- und Baurecht gekauft.

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