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Zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 um 18:00 UhrKommentare

Und dann lautet die Frage: Hungern oder frieren

Immer mehr Steirer bekommen die Kälte bereits daheim zu spüren: Heizen ist (zu) teuer, viele können sich auch keine gute Dämmung leisten.

Frau E. heizt mit billigeren Holzbriketts. Teures Holz kann sie sich nicht leisten

Foto © HoffmannFrau E. heizt mit billigeren Holzbriketts. Teures Holz kann sie sich nicht leisten

Nora E.* ist verzweifelt: Nicht nur draußen sinken die Temperaturen derzeit beständig, sondern auch in ihrer kleinen Wohnung. Mit einem Schwedenofen versucht die Frau, Küche, Wohn- und Schlafzimmer sowie Bad halbwegs warmzuhalten. "Ich verwende Holzbriketts, die sind billiger und brennen länger als Birkenholz", berichtet sie. Doch sie geben auch weniger Wärme ab. 60 Packungen braucht Frau E. derzeit monatlich. Kostenpunkt: 150 Euro.

Damit nicht genug: "Die Fenster sind alt und schließen nicht mehr richtig", seufzt die Grazerin. Derzeit bilden sich sogar tagsüber Eisblumen auf den Scheiben. "Ich habe bei der Genossenschaft, die die Wohnung vermietet, angerufen und nachgefragt", erzählt sie, "ich müsste die neuen Fenster selber bezahlen." Doch das Geld dafür hat Frau E. nicht.

Die 52-Jährige leidet an Multipler Sklerose und einer Thromboseneigung. Daher kann sie keiner geregelten Arbeit nachgehen und bezieht Mindestsicherung. "Aufgrund meiner Krankheit bin ich immer zu Hause und muss auch tagsüber heizen", seufzt sie. Um es beim Schlafen warm zu haben - während der Nacht ist der Ofen aus -, hat die Frau zwei dicke Decken über ihr Bett gebreitet. Der Einbau einer anderen Heizung ist für sie nicht leistbar.

Frau E. ist kein Einzelfall. 313.000 Österreicher können ihre Wohnung nicht ausreichend heizen. 80.000 Betroffene sind laut Angaben der Armutskonferenz Kinder. Oft lautet die Frage "hungern oder frieren".

Die Zahl der Betroffenen steigt stetig. Grund dafür waren zuletzt vor allem die hohen Energiekosten. Laut Österreichischer Energieagentur sind die Preise für Holzbriketts gegenüber vorigem Winter um 3,1 Prozent angestiegen, für Brennholz um vier. Bei der Fernwärme betrug die Steigerung neun, bei Gas 13,4 Prozent. Heizöl wurde um 25,5 (!) Prozent teurer.

Der Heizölpreis setzte etwa auch Frau M. finanziell schachmatt. Seit ihrer Scheidung lebt sie mit ihren vier Kindern in einem kleinen Haus in der Südsteiermark. Laufende Ausgaben wie Lebensmittel, Miete oder Strom kann die Frau mit ihrem Einkommen abdecken. Eine Füllung Heizöl - sie kostet stolze 2000 Euro - bringt sie allerdings an ihre finanziellen Grenzen.

Und auch diese Frau ist kein Einzelfall. Fast ein Drittel aller Alleinerzieherinnen ist laut Sozialministerium armutsgefährdet. Und das, obwohl 40 Prozent von ihnen mit Kindern unter 15 Jahren 36 und mehr Wochenstunden arbeiten. Doch ungleiche Entlohnung von Frauen und Männern sowie Unterqualifizierung führen zu niedrigen Einkommen. Und so muss nicht nur Frau M. für sich und ihre vier Kinder an eisigen Tagen wie diesen entscheiden: "Essen oder heizen".

Nachsatz: Wir wollen beide Frauen über unsere Hilfsaktion "Steirer helfen Steirern" unterstützen.

*=Name geändert

MONIKA SCHACHNER

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