Desaströse Noten für Kindersitze
Ernüchternde Noten gab es beim Test von Kindersitzen: Kein einziges Modell bekam ein "Sehr gut", dafür mehrere ein "Nicht genügend". Sogar krebserregende Stoffe wurden nachgewiesen. In Sachen Kindersitztauglichkeit war kein einziges von 17 Autos im Test überzeugend.

Foto © ÖAMTC
Der ÖAMTC hat acht Modelle von Kindersitzen, die beim alljährlichen Check im Frühjahr noch nicht verfügbar waren, "nachgetestet". Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Es gab kein einziges "Sehr gut", dafür aber gleich zwei "Nicht genügend". Die Tester konnten sogar krebserregende Stoffe nachweisen.
Durchwachsenes Fazit
Höchstnote gab es für keinen der acht Kindersitzmodelle, fünf schnitten mit "gut" ab, einer erhielt die Bewertung "befriedigend". Gleich zwei Kindersitze fielen durch: "Die Modelle Maxi Cosi FeroFix und Maxi Cosi Fero hätten an sich ein 'Gut' bekommen. Allerdings wurde eine sehr hohe Schadstoffbelastung festgestellt, die die Normwerte überschreitet. Es wurden sogar Stoffe nachgewiesen, die als krebserregend gelten. Dass diese Problematik bei einem anerkannten Markenhersteller auftritt, ist schon eine Überraschung", wunderte sich ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.
Die Beurteilung des Komforts wurde um die Kriterien "Platzangebot" und "Sitzposition des Kindes" erweitert und bildet gemeinsam mit "Platzbedarf im Fahrzeug" die neue Kategorie "Bedienung und Ergonomie". Zusätzlich wurde eine "Schadstoffüberprüfung" eingeführt, bei der auch schon im ÖAMTC-Kindersitztest im Frühjahr teilweise erhöhte Werte festgestellt worden waren.
Die besten Ergebnisse erzielten einmal mehr jene drei Kindersitze, die entgegen der Fahrtrichtung montiert werden (Besafe iZi Go, CHICCO Autofix Fast + Isofixbasis, CHICCO Autofix Fast + Gurtbasis). "Durchwegs gute Noten gab es in den Kategorien 'Bedienung und Ergonomie' sowie 'Reinigung und Verarbeitung'. Einzige Ausnahme bildete der Safety 1st Primeofix, der aufwendig einzubauen ist und Schwächen in der Verarbeitung aufweist", fasste Kerbl zusammen.
Auch familienfreundliche Autos halten aber oft nicht, was sie versprechen - zu diesem Ergebnis kam der ÖAMTC in einem weiteren Test: 17 Fahrzeuge wurden auf ihre Kindersitztauglichkeit geprüft - das enttäuschende Ergebnis: 16 "Befriedigend" und ein "Genügend". Die Probleme seien vielfältig, so die Tester.
In den meisten Autos finden neben dem Fahrer vier weitere Erwachsene ohne gröbere Probleme Platz. Wenn jedoch mehrere Kinder mitsamt vorschriftsmäßig eingebauten und gesicherten Kindersitzen transportiert werden sollen, sieht die Sache oft anders aus. "Es ist oft schwierig, unmöglich oder schlicht von Herstellerseite nicht erlaubt, mehr als zwei Kindersitze zu montieren", erklärte ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Zusätzlich sorgt die Tatsache für Unmut, dass nicht jeder Kindersitz in jedes Fahrzeugmodell passt.
Der ÖAMTC hat daher auch in diesem Jahr eine Auswahl von 17 Familienfahrzeugen in Kombination mit gebräuchlichen Kindersitzmodellen auf Herz und Nieren geprüft. Am Start waren: Alfa Romeo Giulietta, Audi A4 Avant, BMW 3er Touring, Chevrolet Orlando, Citroen Berlingo, Fiat Freemont, Ford Focus, Ford Grand C-Max, Honda Jazz, Mazda 5, Mercedes-Benz C-Klasse T, Opel Antara, Peugeot 508 SW, Skoda Superb Combi, Subaru Trezia, VW Caddy und VW Passat Variant.
"Im Alfa Romeo Giulietta, im Citroen Berlingo und im Fiat Freemont verhinderten beispielsweise zu kurze Sicherheitsgurte den ordnungsgemäßen Einbau einiger Kindersitz-Modelle auf den äußeren Rücksitzen", so Kerbl. Beim BMW 3er Touring, beim Opel Antara, beim Peugeot 508 SW sowie beim Subaru Trezia ist es hingegen von Herstellerseite gar nicht erlaubt, auf dem Mittelsitz der Rückbank einen Kindersitz zu montieren. "Schwierigkeiten gab es auch mit den Isofix- und Top Tether-Halterungen, die bei einigen Testkandidaten schwer zugänglich oder gar nicht vorhanden waren".
Keine Bestnoten
Letztlich kam keines der 17 getesteten Fahrzeuge über die Note "Befriedigend" hinaus. Allerdings hätten Citroen Berlingo, Fiat Freemont und VW Caddy mit relativ geringem Aufwand (längere Gurte bei Citroen und Fiat, Top Theter-Halterungen beim VW Caddy) leicht die Note "Gut" erreichen können. Der Opel Antara erhielt als einziger Testkandidat die Note "genügend". "In diesem Fahrzeug darf laut Hersteller kein Kindersitz am mittleren Rücksitz montiert werden. Außerdem dürfen am Beifahrersitz nicht alle Gewichtsklassen von Kindersitzen eingebaut werden", resümierte Kerbl.
Der ÖAMTC rät daher bei der Anschaffung eines Familienautos: Kinder und Kindersitze (eventuell auch gleich den Kinderwagen) zum Probefahrttermin mitbringen.
















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